Geschichte

Die Entwicklung der Ehndorfer Wehr

Nach ihrer Gründung im Januar 1897 entwickelte sich die Ehndorfer Wehr recht schnell. Die Zahl der Aktiven stieg noch im gleichen Jahr auf 29, pendelte sich in der folgenden Zeit dann aber auf 24 ein – bei 250 bis 300 Einwohnern. Dazu kamen noch 10 Mann Hilfsmannschaften, die vermutlich die Knochenarbeit des Spritze-Pumpens zu verrichten hatten und wohl im Wesentlichen aus Knechten oder jungen Leuten der Hufner bestanden.

In den 20er Jahren wurde zusätzlich eine „Zwangsfeuerwehr“ für Männer zwischen 18 und 65 Jahren eingerichtet, die einmal im Jahr unter Leitung von Wilhelm Schnoor „trainierte“. Über ihre Bedeutung und irgendwelche Aktivitäten ist nichts bekannt. Vermutlich rühren die vielen Eintritte in die Freiwillige Feuerwehr im Jahr 1934 aus diesem „Reserve-Bestand“ her. Der erste Wehrführer Jochim Göttsche wurde bereits 1904 vom Hufner August Hellenberg abgelöst, der die Wehr 21 Jahre lang bis 1925 leitete.

Die Ausrüstung bestand zunächst nur aus einer Spritze ohne Saugwerk, die aber schon bald durch eine Spritze mit Saugwerk ergänzt wurde, beide natürlich noch mit menschlicher Muskelkraft betrieben. Transportiert wurde die zweite Spritze auf einem vierrädrigen Wagen, den zwei Pferde zogen, die die Hufner abwechselnd zu stellen hatten. Dazu kam ein zweirädriger Schlauchkarren mit 200 m Druckschläuchen. Dann gab es noch einen Gerätewagen, auf dem die verschiedenen Leitern, die 6 Feuerpatschen und anderes Kleingerät transportiert werden konnten. Untergebracht war alles Gerät in einem Spritzenhaus, das schon bald nach Gründung der Wehr am Rande der Hofe Schnoor / Mittendorf auf dem alten Dorfplatz nahe dem Dorfbrunnen errichtet worden war. Die Kleidung der Wehrmänner bestand neben Privatzeug zunächst nur aus einer Bluse und einem Lederhelm, später erst gab es Uniformröcke und Mützen; dazu wurden vielfach private Brecheshosen und Schaftstiefel getragen.

Um 1900 erstreckte sich das Dorf mit seinen 21 Anwesen noch nicht über Reese / Steckelies (heute Dorfstr. 18) und Lohse / Schümann ( Dorfstr. 17) hinaus. Im Brandfall musste das Löschwasser vom Aalbek oder der Stör (größte Entfernung 320m) oder dem Dorfbrunnen unter den Friedenseichen (alter Dorfplatz) herbeigeschafft werden. In den Aussenbereichen der Gemeinde gab es damals 13 Gehöfte, die zwar alle nahe an wasserführenden Gräben lagen, aber bei größeren Bränden aus den Flüssen mit Löschwasser versorgt werden mussten, diese lagen jedoch vielfach über 500 m entfernt.

An den Dienstabenden wurden in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts neben Geräteübungen vor allem Fußbewegungen durchgeführt; damit war aber keine gymnastische Fußübung gemeint, sondern Exerzierdrill. Auch fanden schon frühzeitig alljährliche Amtswehrübungen statt, die durch spielerische Einlagen aufgelockert wurden und in einer Festlichkeit mit „Beer un Köhm“ ausklangen.

Bewähren musste sich die junge Wehr bereits nach zwei Jahren, nämlich bei zwei Bränden im Ehndorfer Moor.

Weitere Löscheinsätze in den nächsten Jahren sind wegen der großen Lücken in der Protokollführung nur vereinzelt überliefert, aber man kann wohl davon ausgehen, dass etwa alle zwei bis drei Jahre ein größerer Brand zu bekämpfen war – einschließlich der Einsätze in den Nachbardörfern.

Auf den Jahreshaupt- und Dienstversammlungen wurden neben Neuaufnahmen und Ehrungen vor allem die Ergänzungen der Ausrüstung und Bekleidung sowie der Kameradschaftsabend – früher Stiftungsfest genannt – und die Kassenabrechnung verhandelt, daneben natürlich auch manche neue Verordnung oder Vorschrift.

Die Stiftungsfeste brachten immer Überschüsse und die Kassenbestände waren immer positiv, wenn auch in den ersten Jahren von geringer Höhe – das Geld war damals ja viel mehr wert als heute – erst in den 50er Jahren überstieg der Bestand die 100 DM-Grenze (1 DM ungefähr 0,50 Euro). Die Kamradschaftskasse wurde zunächst nur durch Mitgliedsbeiträge gefüllt (jährlich 1,00 Mark für Aktive und später auch für Passive). Bald kamen die Überschüsse der Kameradschaftsabende hinzu, sowie Umlagen bei besonderen Ereignissen (Silberhochzeiten und Sterbefälle), vereinzelt auch Spenden von Firmen und Privatpersonen. Bestritten wurden von diesem Geld kleinere Vereinsausgaben, anfangs aber auch manche Wehrausgaben, etwa für Kleidungsstücke, Abzeichen u. ä.. In den zwanziger Jahren wurde die Kasse durch verschiedene Strafgelder wegen unentschuldigtem Fehlens oder unordentlicher Kleidung aufgebessert.

Die NS-Zeit kündigte sich durch Lehrer Theels „Sieg-Heil“ in den Protokollen an und durch die Behandlung der „Rassekunde“ in Dienstversammlungen; sie brachte die Umbenennung des Stiftungsfestes in einen Kameradschaftsabend und des Feuerwehrhauptmannes in den Wehrführer, der jetzt – nach dem NS-Führerprinzip – nicht mehr gewählt, sondern ernannt wurde. (Angaben darüber fehlen aber in den Ehndorfer Protokollen) Geführt wurde die Wehr während der NS-Zeit zunächst von Johannes Göttsch, der seit 1925 Feuerwehrhauptmann war, dann von 1936 bis 1940 von Rolf Theede, seines Zeichens Feldwebel aus dem ersten Weltkrieg, der als Amtswehrführer die Leitung 1940 an Karl Hellenberg abgab, der ihn später auch als Amtswehrführer ablöste. Doch scheint die Ehndorfer Wehr nur in Einzelfällen vom Geist des Nationalsozialismus durchdrungen gewesen zu sein; es gab auch Widerstände. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Wehr besonders in den letzten beiden Jahren mehrfach zu Einsätzen in das bombardierte Neumünster abkommandiert; auch mussten Flugzeugabsturzstellen bewacht werden. Da die meisten Aktiven an der Front waren, wurde die Wehr durch ein „Frauen-Battalion“ von etwa einem Dutzend Mitgliedern ergänzt; ihr Dienst unter Führung von Karl Hellenberg zeigte aber eher heitere Seiten. Der Übergang vom Kriegsende – noch am 09. Mai 1945 wurde eine Übung abgehalten! – zur Nachkriegszeit vollzog sich bei der Ehndorfer Wehr nahezu bruchlos, auch wenn die Wehr in den folgenden Jahren zum Teil neu aufgebaut werden musste, seit 1943 aber mit einer Motorspritze ausgerüstet und mit Treckern statt Pferden als Zugkräfte.

Mit der Motorisierung begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Ehndorfer Wehr. Die Namenslisten der ersten 50 Jahre zeigen, dass die Ehndorfer ihrer Wehr über Jahrzehnte hin treu blieben, etwa die Hälfte um 30 Jahre und mehr, einige sogar über 40 Jahre. Ausfälle gab es fast nur durch Fortzug oder vorzeitigen Tod.

1943 wurde eine Tragkraftspritze (TS8) von der Firma Flader mit einem DKW-Motor(Zweitakter mit 12 PS) über den Luftschutz angeschafft (Preis 6000 RM). Ihre Nennleistung betrug 600 Liter pro Minute. Hinzu kam ein einachsiger Anhänger (TSA) zum Transport der Spritze einschließlich Schlauchmaterial.

1964 wurde die TS durch eine andere von der Firma Matz mit VW-Motor (Viertakter mit 34 PS) und einer Nennleistung von ebenfalls 600 Litern pro Minute ersetzt ( die Gemeinde musste 3000-4000 DM zuzahlen), obwohl der Motor noch gut lief; aber sonstige Ersatzteile besonders für die Pumpe waren von der Firma Flader (jetzt in der DDR gelegen) nicht zu erhalten.

Mit Anschaffung der ersten Motorspritze 1943 setzte in der Ehndorfer Wehr eine neue Entwicklung ein: Die alte Gliederung in Steiger- und Schlauchmannschaften wurde durch eine allgemeine Gruppeneinteilung – 8 Mann und 1 Gruppenführer – ersetzt und an die Stelle der füheren „Fußübungen“ trat die Schulung an und mit der Motorspritze. Die frühere Knochenarbeit des Wasserpumpens gehörte jetzt der Vergangenheit an. Auch die Wahl des 33 jährigen Bruno Brandt zum Gemeindewehrführer im Jahr 1954, der der Wehr 30 Jahre lang vorstehen sollte, bedeutete einen neunen Abschnitt. Unterstützt wurde der junge Wehrführer bis 1978 durch Willi Steckmeß, der seit 1950 stellvertretender Wehrführer und Sicherheitsbeauftragter war.

Mitte der 50er und Anfang der 60er Jahre kam es zu einer starken Verjüngung der Wehr durch zahlreiche Neueintritte. Diese neuen Mannschaften blieben der Wehr zum großen Teil über 30 Jahre, ja über 40 Jahre im aktiven Dienst treu, ein Mitglied, nämlich Helmut Brandt, sogar fast 50 Jahre lang.

1956 wurde ein neues Spritzenhaus an der stelle des alten errichtet und 1964 die alte TS8 durch eine neue mit VW-Motor und 34 statt 18 PS ersetzt. 1969 bestand die Ausrüstung der Wehr aus einer Motorspritze, die auch nach wie vor in dem alten einachsigen Hänger transportiert werden musste, gezogen immer noch von einem privaten Trecker und einem Schlauchmaterial von 255 m B-Schläuchen und 105 m C-Schläuchen, die jetzt nicht mehr aus Hanf sondern aus gummierten Kunststoffgewebe bestehen; hinzukamen mehrere Strahlrohre, 9 Breitgurte und Stahlhelme, verschiedene Leitern, 4 Feuerpatschen, 3 Handlöscher und weiteres Kleinmaterial.

Der private landwirtschaftliche Hänger als „Mannschaftswagen“ war weitgehend durch private Pkws ersetzt, diente aber immer noch zur Beförderung des Schlauchmaterials. 1974 kam dann endlich ein VW-Bus als neues Fahrzeug mit allem Feuerwehrgerät.

1974 wurde das erste Feuerlöschfahrzeug für die Ehndorfer Wehr beschafft. Damals ein TSF auf Basis eines VW-Fahrgestells. Das Fahrzeug wurde 1993 an unsere Partnerwehr aus Rukieten übergeben und ist noch heute fahrtüchtig.

135 Jahre FF Rukieten am 07.09.2019

Seit 1971 war auch die alte Form der Alamierung durch Nebelhörner und Treckerhupen erstzt worden durch eine Sirene auf dem Schmiededach gegenüber dem Gerätehaus, ergänzt urch das sich immer mehr verbreitende Telefon und 1980 resp. 1986 erweitert durch Funkgeräte und die zentrale Alarmauslösung von der Kreisstadt Rendsburg aus.

Die Stärke der Wehr hielt sich bis in die 80er Jahre zwischen 23 und 27 Aktiven, die 1977 durch den Umbau des Kühlraumes am Spritzenhaus einen Schulungsraum erhielt. Der war aber wegen seiner geringen Größe (6m x 3,70m), des nicht isolierten Fußbodens und mangelhafter Heizung sowie fehlender sanitärer Alagen nur ein Notbehelf. So brachte der neue Wehrführer Jan auen bereits ein Jahr nach seiner Amtsübernahme 1984 eine Modernisierung dieses Raumes ins Gespräch. Doch schon bald überschlugen sich diesbezüglich die Ereignisse: Die gemeinde baute 1988 nach langer und kontroverser Diskussion ein Bürgerhaus mit Feuerwehrgeräteraum. Das alte Spritzenhaus wurde als Bauhof eingerichtet. Zu dem neuen Haus kam 1993 auch ein neues Farzeug mit neuer Spritze und Atemschutzgerät. Das alte Fahrzeug ging mit seiner Spritze an die Wehr Rukieten in Mecklenburg Vorpommern.

Auch sonst sorgte die Gemeinde für ihre Wehr, die ihr lieb und teuer war: 1983 Sicherheitsstiefel, 1986 Kombi-Anzüge und Schutzjacken. 1996 Latzhosen, Pullover, und Wetterjacken – und fortlaufend neue Hemden und Röcke wegen der „körperlichen Weiterentwicklung“ und der Neuzugänge.

Zur optimalen Brandbekämpfung reichte der alte Dorfbrunnen natürlich längst nicht mehr aus. Bereits 1976 resp. 1978 wurden deshalb drei Tiefbrunnen angelegt, der eine auf dem alten Dorfplatz beim alten Gerätehaus, der zweite auf dem neuen Dorfplatz gegenüber dem späteren neuen Gerätehaus und der dritte im Außenbereich zentral zwischen den Bauernhöfen von Kröger und Meerkötter gegenüber von Thoms, Lehnert und Seeger. Im Zuge der Flurbereinigung und der Errichtung einer zentralen Wasserversorgungsanlage wurden 17 Hydranten sowie zwei Löschteiche im Außenbereich angelegt, einer bei Niefer, der andere bei Wurr.

Mit den Jahren verwandelten sich auch die Inhalte und Formen der Dienstversammlungen und Übungen, die jetzt regelmäßig jeden ersten Dienstagabend im Monat abgehalten werden. Besonders das Tätigkeitsfeld erweiterte sich von der reinen Brandbekämpfung zu allgemeinen Rettungswesen bei Katastrophen und auch kleineren Notfällen, etwa im Straßenverkehr oder bei Überflutungen.

Darüberhinaus fand sich die Wehr auch stets bereit neben eigenen Dorfveranstaltungen wie Grillabenden oder Fahrradtouren helfend bei anderen dörflichen Aktivitäten wie Laternenumzügen oder Ringreiten mitzuwirken.

Ganz zu ihrer Obliegenheit ist seinerzeit die jährliche Säuberung des Dorfes und der Feldmark vom Wohlstandsmüll geworden. Dass daneben aber ihre eigentliche Aufgabe nicht vergessen wurde, zeigen die vielen Urkunden und Pokale, die die Ehndorfer Wehr von Übungen und Wettkämpfen mit nach Hause bringen konnte.

Ernsthafte Einsätze – auch in den Nachbargemeinden – fallen nach wie vor fast jedes Jahr an, wenn auch verstärkt verlagert von Groß- auf Kleinbrände, besonders bei Fahrzeugen. Dazu haben neben der modernen Bauweise sicher auch die Bestimmungen und die Brandschauen beigetragen.

In den 80er und 90er Jahren ist die Zahl der Aktiven nach der Mitgliederbegrenzung in den 70er Jahren auf über 30 gestiegen und die Bemühungen um eine Verjüngung der Wehr – das Durchschnittsalter lag 1992 bei 42 Jahen! – trug Früchte.

Dazu passte auch die Anschaffung des neuen Löschfahrzeuges, ein TSF auf Basis eines Mercedes Fahrgestells, im Jahre 1993.

Gestiegen sind auch die Einnahmen und Ausgaben der Wehr. Und das nicht unerheblich. Lagen die Kasenbestände in den 50er Jahren noch unter 200,- DM so stiegen sie in den 70er Jahren auf über 1000,- DM. Auch die Beiträge für passive und fördernde Mitglieder sind von den allgemein gestiegenen Kosten- und Einkommen! – nicht verschont geblieben. Von ursprünglich 1,- DM pro Jahr kletterten sie über 6,- DM resp. 10,- DM in den 70er Jahren und 25,- DM in den 90 Jahren auf heute 13,- Euro. Kostete der Bau des Gerätehauses 1956 noch 7.000,- DM, so lag der Preis für das neue Haus von 1988 bei über 100.000,- DM. Das Fahrzeug von 1974 kostete ca. 16.500,- DM. Das neue Fahrzeug von 2013 ca. 110.000,- Euro.

Nach dem 100 Jährigen Jubiläum im Jahr 1997 ging die Entwicklung der Wehr weiter voran. Neben der reinen Brandbekämpfung beschäftigen wir uns heute auch mit einer Vielzahl von technischen Hilfeleistungen wie Katze im Baum, Verkehrsunfall mit Menschen und Tieren und Unwetterschäden. Aber auch Türöffnungen und Gefahrgutunfälle stellen neben der Teilnahme im Katastrophenschtz einen immer größer werdenden Teil unserer Tätigkeiten dar.

Auch die technische Weiterentwicklung ist nicht an der Ehndorfer Wehr vorbei gegangen. Neben der Anschaffung einer neuen TS im Jahr 2005 wurde im Jahr 2013 ein neues Löschfahrzeug in Dienst gestellt. Dieses ist erstmals auch mit einem Wassertank ausgerüstet (500 Liter), so dass kleinere Einsätze über dieses mitgeführte Wasser abgedeckt werden können, ohne dass eine zusätzliche Wasserversorgung von Hydranten oder offenen Gewässern erfolgen muss.

Auch die Ausrüstung wurde modernisiert. Neben dem regelmäßigen Austausch von defekten Geräten und Ausrüstungen wurden im Jahr 2004 alle Atemschutzgeräteträger mit Nomex-Kleidung ausgestattet. Im Jahr 2006 wurden dann alle Kameraden mit Nomex-Überjacken ausgerüstet. Die Nomexausrüstung der Atemschutzgeräteträger wurde jetzt in 2019 erneut durch noch hitzebeständigere Ausrüstung (PBI) ausgetauscht.

In der Zeit zwischen 2008 und 2016 hatte die Wehr aufgrund des demografischen Wandels stark unter Personalnot zu leiden. Die Wehr war in dieser Zeit zeitweise nur mit 21 Aktiven besetzt. In den Jahren 2016 bis 2019 konnte die Anzahl der Aktiven allerdings durch insgesamt 12 Neue wieder auf 32 Aktive gesteigert werden.

Quelle: u. a. Jubiläumsschrift zum 100 jährigen Jubiläum der FF Ehndorf 1997